In eigener Sache

Die vier Ausgaben des Jahrgangs 16/2012 der hortus-Korrespodenz/Mitteilungen der Buddhistischen Laienbewegung sollen sich mit dem Thema beschäftigen:

 

„Hospizliche Begleitung für Menschen mit Behinderungen“

 

 

Die Themenkomplexe verteilen sich wie folgt:

 

Ausgabe 1/2012: Hospizlicher Umgang mit Wachkomatösen


Ausgabe 2/2012: Hospizlicher Umgang mit schwerst - mehrfachbehinderten Menschen


Ausgabe 3/2012: Hospizlicher Umgang mit Dementen


Ausgabe 4/2012: Perspektiven für einen angemessenen und würdevollen Umgang mit behinderten Menschen in speziellen Einrichtungen

 

 

Aufruf an unsere schreibfreudigen Leser
 
Wir bitten alle Leser der Mitteilungsblätter, aber auch alle anderen Freunde und Interessenten des hortus dialogus um Vorschläge oder aussagekräftige Manuskripte zu den genannten Themenbereichen.
Möglich wären auch Interviews/Gespräche mit Menschen, die sich nicht schriftlich, sondern mündlich äußern möchten; solche Dialoge würden gegebenenfalls aufgezeichnet, redigiert und anschließend mit vorheriger Zustimmung des Gesprächspartners veröffentlicht.
     





Seit dem hortus-Fest zu Wesak 2011 war Abendens  „Chronist mit der Kamera“, Wolfgang Enge, mehrfach zu Gast im Hospiz-Garten. Anlaß hierfür waren Führungen und Feste, hospizliche Begleitungen, aber auch sein Wunsch, zu wissen „was sich alles so hinter den hohen Hecken tut“. Im Spätherbst des vergangenen Jahres sammelte der Filmemacher Szenen, die er für eine Videoproduktion zusammenstellen wollte, die nicht nur präsentabel, sondern  vielleicht auch eines Pokales würdig werden könnte. Regelmäßig nämlich produziert Wolfgang Enge Kurzfilme und Videobeiträge zu unterschiedlichen Themenfeldern für eine überregionale Arbeitsgemeinschaft in Aachen, wo Hobbyfilmer sich zusammenfinden und ihre Beiträge den kritischen Augen und Ohren ihrer Kollegen zur Wertung vorlegen.
Einen solchen Zwölfminuten-Beitrag zusammenzuschneiden und zu kommentieren, hielten sich zwei Ehrenamtler des hortus dialogus in den Nachmittagstunden des 6. Januar im Arbeitsraum seines Wohnhauses in Abenden auf.
Eine erste Kurzfilm-Version können sich Interessierte auf der Homepage des hortus dialogus anschauen unter hortus-dialogus.de / Bilder / Videos. Das gesamte Filmmaterial beläuft sich auf über mehrere Stunden; Wolfgang Enge ist bemüht aus der Fülle der Bilder und Szenen einen etwa halbstündigen Filmbeitrag zusammenzustellen, der – auf DVD festgehalten – zu einem kleinen Werbeträger für den hortus dialogus werden könnte.
 

 
Wie bereits in der letzten Ausgabe der hortus-Korrespondenz 1/2012 (Seite 14) berichtet, begann der erste „Befähigungskurs zur ehrenamtlichen Hospizarbeit“ mit einem ersten Treffen am Abend des 14. Dezembers 2011.
Im Rahmen dieses Befähigungskurses besuchten insgesamt fünf Teilnehmer das Bestattungshaus Karl Breuer in Düren. Nach einem herzlichen Empfang und halbstündigen Einführungsgespräch in die Aufgaben eines Bestatters, führte der Geschäftsführer des Familienunternehmens, Dino Breuer, durch die Räumlichkeiten seiner Dürener Filiale.
Auf unzählige Fragen gab der junge Chef dieses Traditionsunternehmens Antwort.
Wer – mit Ausnahme dieser Spezialisten - kennt sich schon aus in der heutigen Vielfalt von Bestattungsarten, den zum Teil außerordentlich komplizierten Bestattungsgesetzen oder sogenannten Bestattungsverfügungen. Wer - wenn nicht der Fachmann - kann auf Anhieb unterscheiden zwischen einem Brennsarg oder Feuersarg, einem Kolumbarium oder Kenotaph, einem Reihen- oder Rasengrab und, und, und…
Geduldig gab Dino Breuer auf alle Fragen eine klare Antwort, selbst wenn zeitweise der Gesprächsverlauf eher einem Verhör ähnelte…
Im Anschluß an diese Einführung ließ Dino Breuer die wißbegierigen „Auszubildenen“ einen Blick in den Aufbewahrungs- und Abschiedsraum werfen; vielleicht nicht nur Zufall:ein gedeckelter Sarg stand zur Ansicht bereit, denn Stunden später sollte an diesem Ort eine Verabschiedungszeremonie für den an diesem Ort aufgebahrten Verstorbenen, stattfinden.
Nach einem weiteren Schluck Kaffee führte der Geschäftsführer - durch Besprechungs- und Büroräume hindurch - zu jenem Ausstellungsraum, den in Augenschein zu nehmen sich wohl alle Kursteilnehmer vorgenommen hatten. In drei Reihen übereinander an den Wänden aufgereiht ließen sich Mustersärge bestaunen, von der einfachsten Ausführung in Kiefern-holz bis hin zu jener aus massiver Eiche mit Beschlägen aus Metallguß samt mehr oder weniger geschmackvoll ausgearbeiteten Rosetten aus Buntmetallen oder Messing.
Merkwürdigerweise – oder liegt es am Trend der Zeit ? – erwiesen sich Urnen als die interessanteren Bestattungsbehälter. Eine ganze Reihe solch unterschiedlicher Krüge zur Aufnahme der Asche von Verstorbenen hält das Bestattungshaus Breuer zwecks Ansicht und Auswahl bereit. Ausführlich ließen sich die Gäste des Hauses erläutern, daß zum Beispiel eine Schmuckurne lediglich zum Ablassen der Bestattungsurne ins Erdreich dient;  die Bestattungsurne ihrerseits aber beinhaltet eine weitere Urne - die Aschenkapsel -, auf deren Deckel die Daten des Verstorbenen eingraviert sind. Auf den meisten Friedhöfen ist den Angehörigen nicht gestattet, mit eigenen Händen die Aschenkapsel aus der Schmuckurne zu entnehmen, um sie in eine Bestattungsurne zu verbringen, die anschließend im Erdloch verbleiben soll… Genug der Verwirrung!




Die Antwort des Fachmanns: ‚jede Kommune hält es anders‘, ist nicht weniger verwirrend, verweist jedoch in die Komplexität der behördlichen Bestimmungen einerseits und die Obliegenheiten eines geschulten Bestatters andererseits. Nachdem die Besichtigung von Särgen und Urnen, von Sarginnenraumausstattung und Sargmatratzen abgeschlossen war, fand sich die kleine Gruppe mitsamt dem Führer zurück im Besprechungszimmer, wo bei einer Kaffeetafel nochmals mehr als eine Stunde ins Land gingen, um Auskünfte darüber erhalten, wie ein professionelles Bestattungsunternehmen nicht nur mit Leichen, sonder auch mit Hinterbliebenen und Trauernden umzugehen hat.
Respekt vor den Bedürfnissen von Menschen, die einen zumeist herben Verlust haben hinnehmen müssen, ebenso wie Einfühlungsvermögen und Menschenkenntnis sind unabdingbare Voraussetzungen für die Arbeit jener Experten, die sich mit Tod und Trauer, aber auch den individuellen Wünschen ihrer Klientel, wie auch den oftmals verschrobenen Vorschriften behördlicher Friedhofssatzungen, auseinanderzusetzen haben.
 

 
 
Ein nächster Besuch im Rahmen des „Befähigungskurs zur ehrenamtlichen Hospizarbeit“ ließ sich einrichten für den 25. Januar; diesmal war die Visitation einer Moschee in Düren angesagt. Grundkenntnisse zu den Vorstellungen und Glaubensinhalten, Riten und Ritualen von Gläubigen nichtchristlicher Religionsgemeinschaften zu vermitteln, Einblicke in uns weniger vertraute Kulte - hier insbesondere des Umgangs mit sterbenden und verstorbenen Muslimen -sind heute mehr denn je angebracht in einer stetig sich weiter vernetzenden Welt.
Wurde doch insbesondere der Islam in den letzen 50 Jahren zu einer beachtlichen religiösen Kraft in Deutschland, die es nicht nur zu tolerieren, sondern  - im Sinne eines brüderlichen Miteinanders - auch wertzuschätzen gilt. Die eingehende Beschäftigung mit den drei großen monotheistischen - abrahamitischen - Weltreligionen von Juden- und Christentum sowie des Islams, gehört zu den Ausbildungsinhalten eines Befähigungskurses für hospizlich tätige Ehrenamtler beim hortus dialogus.
Umso erfreulicher darf vermerkt werden, daß Dr. med. (Syr.) Al Halabi als kooperierender Palliativmediziner für den hortus dialogus und Vorbeter der Hicret-Moschee auf der Kölner Landstraße die Teilnehmer des Befähigungskurses zu einem Besuch in dieses Gotteshaus eingeladen hatte.



Fast drei Stunden verbrachte die kleine Gruppe mit Dr. Al Halabi in dem nach türkischen Vorgaben gebauten islamischen Gebetshaus. Der Zufall - oder das Glück?- wollte es, daß die Teilnehmer gerade zu Beginn des Nachmittagsgebetes (15.00 Uhr) an einem Mittwoch dort eintrafen und somit Anteil an diesem Ritus nehmen konnten.
Gewiß hatten die rund 25 anwesenden gläubigen Männer beim Betreten der Moschee ihr Rak‘a (auch Reka genannt) verrichtet, waren sodann - auf Strümpfen selbstverständlich - vorbei an der Midda (oder Mudu) - dem Bad für rituelle (Fuß-)Waschungen - gegangen,  um sich anschließend nebeneinander in zwei Reihen vor der Mihrab aufzustellen. Diese Gebetsnische ist in allen Moscheen der Welt gen Mekka ausgerichtet; zu jenem Ort im westlichen Saudi-Arabien, der als Geburtsstadt des Propheten Mohammed als die heiligste Stadt der Muslime gilt. Rund zwanzig Minuten verrichteten die gläubigen Männer - Frauen können selbstverständlich anwesend sein, finden aber auf einer vom Parterre der Moschee nicht einsehbaren, höher gelegenen, seitlichen Empore ihren Platz – ihren nachmittäglichen Gottesdienst. Nach dem Ritual empfing die Gäste mit freundlichen Worten der Vorsteher der Moschee - umstanden von  einigen seiner Glaubensbrüder.
Dr. med. Al Halabi erläuterte zunächst seinen Gästen Grundriß und Bauplan der Hicret-Moschee und bat anschließend die vier Damen und zwei Herren seiner Besuchergruppe auf den bunten Gebetsteppichen inmitten des von den Farben weiß und blau dominierten Gotteshauses Platz zu nehmen. In den nächsten anderthalb Stunden war es beruhigend mit ansehen zu können, daß auch ein geübter Moslem wie Dr. med. Al Halabi nicht ohne gelegentliches Strecken der Beine, gelegentliches Umpositionieren des Gesäßes über einen so langen Zeitraum auf den schmucken Teppichen ausharren kann… Es folgte eine ebenso denkwürdige wie spannende Stunde mit Unterweisungen und Dialogen zu den Themenfeldern „Sterben und Tod“, „Gesundheit und Krankheit“ und „Schöpfung und Auferstehung“ aus islamischer Sicht. Einmal mehr wurde deutlich, wie sehr die beiden Hochreligionen - Christentum und Islam -  miteinander verwandt sind, über weitgehend ähnliche Grundlagen verfügen. Aber ebenso offensichtlich wurden die Unterschiede bezüglich so wesentlicher Auffassungen wie etwa dem Verhältnis zwischen Schöpfer und Geschöpfen, oder den Vorstellungen zu „nachtodlichen Verhältnissen im Jenseits“. Nachdenklich und berührt, zudem noch sehr dankbar, verließ die kleine Gruppe das Gotteshaus zusammen mit seinem kompetenten und engagierten Führer, um sich anschließend in der Geschäftsstelle des hortus dialogus zur Nachbereitung dieser Eindrücke einzufinden.
 


Wie in der vorangegangen Ausgabe der hortus-Korrespondenz 1/2012 (Seite 15) angekündigt, fand am Donnerstag den 2. Februar 2012 eine Zeugenvernehmung vor einer Einzelrichterin am Landgericht zu Aachen  statt.
Man erinner sich: Herr Bouchta Quali aus dem Nachbarort Kreuzau-Boich hatte auf Herausgabe seiner sämtlichen 96 Holzskulpturen geklagt, die er selbst - gemeinsam mit einem Helfer - im April 2010 eigenhändig im Hospiz-Garten aufgestellt hatte.
Die zum Teil übermannshohen Skulpturen sollten als Dauerleihgabe, also zeitlich unbefristet, im Hospiz-Garten verbleiben.
Mitte Juli vergangenen Jahres forderte Herr Quali ohne jegliche Ankündigung die Herausgabe seiner Skulpturen, was vom Vereinsvorsitzenden, Friedrich Ostenrath, verweigert wurde. Daraufhin verklagte Herr Quali den hortus dialogus, dem auf Antrag Prozeßkostenhilfe für sämtliche juristische Auseinandersetzung zugesprochen wurde.
Fast vier Stunden lang vernahm die Einzelrichterin insgesamt fünf Zeugen, den Kläger wie auch de Beklagten,  jeweils in Gegenwart von deren Anwälten. Die Bemühungen einen Vergleich abzuschließen, scheiterten an der Verweigerung des Klägers. Daraufhin setzte die Richterin das Verfahren mit einer gründlichen Beweisaufnahme fort und kündigte ein Urteil für den 8. März 2012 an (siehe auch Seite 15).



Für den späten Nachmittag des 10. Februar hatte das „Dürener Bündnis gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt“ zu einer Demonstration aufgerufen, weil auch im Kreis Düren eine ganze Reihe von Rechtsextremisten, respektive rechtsextremistische Vereine, ihr Unwesen treiben.Seit zwei Jahren ist auch der hortus dialogus Mitglied in dem „Bündnis gegen Rechts“. Drei Mitglieder des Vereins schlossen sich den knapp tausend Menschen an, die eineinhalb Stunden Fahnen schwenkend und Banner tragend durch die Innenstadt von Düren zogen. Ungewöhnlich zu verzeichnen war, daß durch den sogenannten „Mitmach-Effekt“ sich im Verlaufe des Demonstrationszuges immer weitere Bürger anschlossen, um wenigstens für ein kurzes Stück Wegstrecke ihrem Protest Ausdruck zu verleihen und sich gewaltlos gegen „braune Umtriebe“ zur Wehr zu setzen. Ebenfalls erfreulich ist die Tatsache, daß junge Menschen fast in Überzahl gegenüber Teilnehmer im „gesetzten Alter“ waren.
Der Zug endete vor der Marien-Kirche in Düren, wo anschließend - immerhin noch mit 800 Personen - die sogenannte „Vollversammlung“ stattfand, bei der unter anderem auch der Bundestagsabgeordnete des Kreises Düren, Thomas Rachel (CDU), das Wort ergriff.
Pfarrerin Susanne Rössler der Evangelischen Gemeinde Düren und Sprecherin des Bündnisses gegen Rechts, schloß ihre bemerkenswerte Rede mit dem
 
„Gebet der Vereinten Nationen“:  

„Unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im großen Weltall.
An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen,
dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden,
nicht von Hunger und Furcht gequält,
nicht zerrissen in sinnlose Trennung nach Völkern,
Hautfarbe oder Weltanschauung.
Gib uns den Mut und die Voraussicht,
schon heute mit diesem Werk zu beginnen,
damit unsere Kinder und Kindeskinder
einst mit Stolz den Namen Mensch tragen.“ 
 

           
Zwei Mitglieder des hortus dialogus folgten einer Einladung der Evangelischen Gemeinde zu Düren, an der Eröffnung der Ausstellung „Ich packe meinen Koffer“ teilzunehmen.
Von Aschermittwoch, dem 22. Februar bis zum 15. März 2012 wird diese Ausstellung im Großen Saal im Haus der Evangelischen Gemeinde Düren zu sehen sein.
„… sie ist vom BUND und vom Evangelischen Entwicklungsdienst erstellt worden und richtet sich gleichermaßen an Jugendliche sowie an Erwachsene. Zwölf gepackte Koffer
veranschaulichen, was Deutschland zukunftsfähig  macht. Zwölf Koffer. die von zwölf Menschen gepackt worden sind, angefüllt mit ihren Wünschen und Hoffnungen für die
Zukunft… so werden beispielsweise die Förderung der Solarenergie, die Sicherung des Menschrechts auf Nahrung oder der Ausbau einer solidarischen fairen Gesellschaft
thematisiert…diese Studie ist 1996 vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie veröffentlich worden und sorgt seitdem für heftige Debatten…“
 – so ein Auszug aus dem Text des Veranstaltungsprogramms.

 


 
Im Rahmen eines Kurzfilms über das Dorf Abenden besuchten Ute Pietschmann als Geschäftsführerin und Dieter Jeurissen als Studioleiter des Stadt-TV Düren am 3. März den Hospiz-Garten. Bereits vor zwei Jahren war das kleine Aufnahmeteam zu Gast in den Gartenanlagen des hortus dialogus, um einen vierminütigen Beitrag für den Internetauftritt des Stadt-TV‘s zu drehen. Das Duo informierte sich über Neuerungen im Hospiz-Garten und ließ zwischen markanten Bilder-Spots den Vorsitzenden des Vereins, Friedrich Ostenrath, mit einem kurzen Statement zu Wort kommen.
Abrufbar ist diese kurze Einspielung unter www.stadttv-dueren.de oder auf unserer Homepage.




 

In der letzten Ausgabe der hortus-Korrespondenz 1/2012 wurde bereits auf einen Besuch von Häftlingen der Justizvollzugsanstalt Aachen hingewiesen (Seite 12). Anfang  März waren erneut ein Sozialbetreuer und eine Psychologin der JVA Aachen zusammen mit einem Häftling zu Gast im Hospiz-Garten Abenden.
Wie bereits andernorts erwähnt, werden an dieser Stelle weder Zeitangaben noch Namen der Betroffenen genannt; diese Vereinbarung entspricht dem Wunsch der Besucher aus Aachen.
 

 
Wie in den letzten drei Ausgabe der hortus-Korrespondenz ausführlich berichtet, gab es Probleme mit der Dauerausstellung von hölzernen Skulpturen des marokkanischstämmigen Künstlers Bouchta Quali aus dem Nachbarort Boich. Ebenfalls erinnerlich dürfte dessen versuchter Diebstahl am 15. Juli des vergangenen Jahres auf dem Gelände des Hospiz-Gartens sein, bei dem der Bildhauer - zusammen mit zwei Komplizen - auf das Gartengelände eingebrochen war, um auf diesem illegalen Wege seine Skulpturen zurückzuholen. Daraufhin entzündete sich ein Rechtsstreit: Bouchta Quali verklagte den Verein hortus dialogus auf sofortige Herausgabe seiner Skulpturen, was vom Vereinsvorsitzenden verweigert wurde. Friedrich Ostenrath war selbstverständlich bereit über eine geordnete Rückgabe – einschließlich eines Zeitplans – der als Dauerleihgabe im Hospiz-Garten ausgestellten Kunstobjekte zu verhandeln. Diese mehrfach geäußerten Angebote wurden stets abgelehnt
und der Kläger – Bouchta Quali – ließ es zu einem Prozeß vor dem Landgericht Aachen kommen. am  8. März 2012 entschied die zuständige Kammer am Landgericht Aachen
– merkwürdigerweise nicht die Vorsitzende Einzelrichterin, die am 2. Februar 2012 zu einer Zeugenbefragung und Verhandlung geladen hatte! –, es könne nicht als erwiesen gelten, daß es sich bei dem Angebot, der Übergabe und der Aufstellung der Skulpturen um eine D a u e r- leihgabe handeln würde; weshalb die Kammer nach Aktenlage davon ausgehe, es handele sich
eher um eine Leihgabe. Eine solche Leihgabe aber könne vom Eigentümer auch kurzfristig zurückgefordert werden. Mit diesem – vollkommen unerwarteten – Richterspruch sind dem Kläger nunmehr, innerhalb einer bestimmten Frist, seine Skulpturen auszuhändigen. 
 

 
Mittwoch, den 14. März, besuchten sechs Personen im Rahmen des „Befähigungskurs zur ehrenamtlichen Hospizarbeit“ das Yarden Krematorium Heerlen/NL.
Frau Dagmar Breunich-Weirauch - Heilpraktikerin und Mitglied des hortus dialogus – hatte alle Vorbereitungen für das nur eine knappe Stunde von der Geschäftsstelle entfernt liegende Krematorium arrangiert; mit zwei Fahrzeugen erreichte die kleine Besuchergruppe gegen 15.00 Uhr das in der niederländischen Provinz Limburg gelegene Krematorium.
Die Firma Yarden betreibt insgesamt drei Krematorien in den Niederlanden.
Unter Führung von Herrn Leon Raats - Mitarbeiter u.a. für Öffentlichkeitsarbeit des Krematoriums Heerlen -  konnten die Besucher in sämtliche Ecken dieser Einrichtung schauen.
Fragen über Fragen mußte der ebenso liebeswürdige wie kompetente Mitarbeiter beantworten. Voller Bewunderung standen die Gäste in den kleinen und großen Räumen, die für Trauerfeiern vor Ort vorgesehen sind. Stimmungsvolle Farben, helles Licht und natürliche Materialien, wie Stein und Holz, zeichnen das gesamte Gebäude aus.
Vom Foyer durch die Besucher- und Abschiedsräume hindurch bis hin zur Verwaltung und den offenen Terrassen kann diese Institution als wahrhaft besucherfreundlich bezeichnet werden. Große, verkehrstechnisch bestens angebunden, Parkmöglichkeiten auf der einen Seite und sehr viel grünes Gelände zwecks Verstreuung oder Aufbewahrung der Totenasche umgeben das in der leicht hügeligen Landschaft der Provinz Limburg seit über drei
Jahrzehnten angesiedelte Haus. Mit insgesamt zwei Verbrennungsöfen können die fünf ständigen Mitarbeiter des Krematoriums bis zu vierzehn Verbrennungen täglich vornehmen.
Während zum Zeitpunkt des Besuches einer der beiden Verbrennungsöfen gerade von einigen Spezialisten aus England auf den neuesten technischen Stand gebracht wurde, brannte in dem zweiten Ofen gerade ein männlicher Leichnam, der fast allen Gästen ein Blick durch das feuerfeste Kontrollfenster wert war.

 

Was geschieht im Einzelnen mit den Rückständen einer Feuerbestattung, wie und wohin werden künstliche Hüftgelenke, Herzklappen oder Goldzähne entsorgt, wie funktioniert die Knochenmühle (die nicht vollständig verbrannten Teile von Sarg und Körper zu feinstem Pulver mahlt), wo und wie werden die Urnen gelagert, was kann mit der Totenasche alles geschehen, und was ist verboten zu tun, dürfen Angehörige die Asche ihrer Verstorbenen mit nach Hause nehmen, wie sind die grenzüberschreitenden Bestimmungen für den Transport von Totenasche nach Deutschland ausgelegt…?
Hunderte von Fragen wurden geduldig beantwortet.
Zwischendurch  konnte das umfangreiche Archiv mit seinen über tausend
- in Sekundenbruchteilen auf Knopfdruck verfügbaren - Musikstücken für Trauerfeiern in einem speziellen Computer-Raum bestaunt werden…
Und weil das Fragen nach zwei Stunden immer noch kein Ende fand, hatte die Krematoriums-Verwaltung zum Abschied eine Kaffee- und Kuchentafel vorbereitet, an der nicht nur feines für den Gaumen geboten wurde, sondern nochmals Auskunft über Auskunft über Auskunft.
Voller Dankbarkeit für die Geduld und die Freundlichkeit, mit der die Hospiz-Gäste von den Verantwortlichen des Krematorium - namentlich von  Herrn Leon Raats - empfangen, geführt und bewirtet wurden, kehrten die sechs Ausflügler heim in die Geschäftsstelle nach Abenden, wo noch einmal dieser so empfehlenswerte wie gelungene Ausflug besprochen und gewürdigt wurde.

 

Am 22. März 2012 fand in der Geschäftsstelle des hortus dialogus ein Gespräch mit Rechtsanwalt Rolf Borstembley aus Düren statt, der in dieser Angelegenheit den Verein vertreten hatte. Gemeinsam mit dem Vereinsvorsitzenden kam man überein, daß der Wert und die Bedeutung der Skulpturen von Herrn Quali keinen Revisonsprozeß rechtfertigen würden.
Die Maxime, unter allen Umständen Schaden vom Verein hortus dialogus abzuwenden, habe oberste Priorität – weshalb der Verein sich von sämtlichen Exponaten des Herrn Quali trennen werde. Dem Verein sind aufgrund der Gewährung von Prozeßkostenbeihilfe beim Landgericht keinerlei Kosten in diesem Rechtstreites entstanden.
Der Vorstand bestimmte zusammen mit Rechtsanwalt Borstembley den 30. April 2012 als letztmögliches Datum, zu dem die Holzskulpturen vom Kläger abzuholen seien.
Danach wird die leidige Angelegenheit hoffentlich beendet sein.
 





Zu einer wahrhaft inspirierenden Begegnung wurde ein abendliches Treffen am 29. April 2012, bei dem Frau Pfarrerin i. R. Cornelia Kenke zu Besuch in der Geschäftsstelle des Vereins in Abenden war. Frau Kenke wirkte über mehrere Jahrzehnte hindurch u.a. als hauptamtliche Seelsorgerin der Evangelischen Kirche im Kreis Düren. Im Verlaufe ihrer pastoralen Aufgaben sammelte sie immense Erfahrungen auch mit Menschen, die das Ende ihres Lebens erreicht hatten ebenso wie mit jenen, die den Verlust von Partner und Freunden, von Kinder und Kranken zu beklagen hatten. Zwei Stunden berichtete die rührige Ruheständlerin den Teilnehmern des aktuellen „Befähigungskurs zur ehrenamtlichen Hospizarbeit“ über bewegende Geschehnisse am Sterbebett hochbetagter Menschen, aber auch über erschütternde Begebenheiten von leid- geprüften Familien, die den Verlust von Kindern oder Jugendlichen hinnehmen mußten. Mit Nachdruck betonte die Theologin immer wieder die Wichtigkeit eines nicht-direktiven Vorgehens im Umgang mit Schwerkranken, Leidenden oder sogar Sterbenden.



In erster Linie gelte es, auf deren Signale zu achten, die sie uns als hospizlichen Begleitern verbal, aber eben auch durch kleineste mimische Andeutungen verraten.
Ohne die eigenen Überzeugungen verleugnen zu müssen, habe Vorrang, Sterbende und Trauernde ihre eigenen Wege suchen und finden zu lassen – ganz gleich, ob wir Überlebende, wir Begleiter mit den Überzeugungen oder Verhaltensweisen unserer Gegenüber konform gehen würden. Desweiteren bestätigte sie die Erfahrungen vieler hospizlich tätiger Menschen, daß Sterbende ihren allerletzten Akt des Loslassens vom Leben zumeist allein vollziehen möchten, ohne Gegenwart oder „Beistand“ fremder Personen; ja, selbst Angehörige und engste Vertraute sind in der Sterbestunde häufig unerwünscht.
Sterben als „völlige Entblößung“, „seelische Nacktheit“ verstört häufig nicht nur den Betroffenen selbst, sondern auch diejenigen aus seinem Umfeld, die weiterleben müssen. Deshalb sollte dieser vielleicht intimste Vorgang eines Menschen - das Sterben -  nicht ohne ausdrückliche Aufforderung oder Zustimmung seitens des Betroffenen „begleitet“ werden.
Der so häufig geäußerte Ratschlag, Sterbenden bis hin zum Tod die Hand zu halten, kann sich unter Umständen in zusätzliches Leiden wandeln, weil für viele Menschen – vielleicht sogar für die meisten-  die bloße Anwesenheit eines Anderen während der Todesstunde als Zudringlichkeit empfunden werden könnte.
Die Begegnung mit Frau Pfarrerin Cornelia Kenke wurde ebenso zu einem nachdenklichen wie auch inspirierenden Treffen, von dem sämtliche Teilnehmer hoffen, es möge nicht das letzte gewesen sein.



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